National Side Saddle Show, 10.- 12. August 2001, Keysoe, Bedfordshire

National Side Saddle Show

 

 

Das Abenteuer begann für mich bereits beim Abflug. Beruflich bedingt konnte ich mich nicht wirklich auf den Urlaub vorbereiten. Ich wußte, daß ich nach England wollte um im Damensattel zu reiten, aber sonst überließ ich mich meinem Schicksal. Nachdem ich Roger Philpott bei meiner Ausstellung am Gschwendthof kennen gelernt hatte, und er mich eingeladen hatte, beschloß ich in meine heißgeliebte zweite Heimat zu reisen. Nach mehreren Mails mit Roger wurde ich am Flughafen abgeholt. Im Auto erfuhr ich, daß bereits zwei weitere Damen bei Roger wohnten. Kate Ettrich aus Belgien und Rhonda Watts aus Amerika. Beide Damen wollten an der großen Show teilnehmen. Da Rhonda und Kate schon länger in England waren hatte ich einen sehr guten Einstieg, da beide mir den Tagesablauf erleichterten. In den ersten Tagen habe ich einige Pferde ausprobiert um dann schlußendlich bei "Harry " zu landen, dem Vollprofi in Springen und Dressur. So war das Leben dem Reiten im Damensattel gewidmet. Vormittag reiten, über Mittag darüber diskutieren und am Nachmittag lesen und bearbeiten der Fachbücher. An manchen Tagen machten wir einen Ausflug, wo wir uns natürlich auch mit diesem Thema befaßten. Wir fuhren über zwei Stunden in einen Ort, wo es mehr als 20 Buchgeschäfte gab. Unsere Ausbeute war leider mager, da wir kein Damensattelbuch bekommen haben, aber trotzdem sind wir nicht mit leeren Händen nach Hause gekommen. 

 

Es wurde jeden Tag trainiert. Roger meinte, daß auch ich starten sollte und so beschlossen wir, mich in der "costume class" zu nennen, wo ich das Österreichische Turnierkostüm vorstellen konnte. Roger fragte mich weiters, ob ich beim Turnier in einem B&B (Bed and Breakfast) übernachten wollte oder in einem "Caravan ". Nachdem ich noch nie in einem Wohnwagen gelebt habe, beschloß ich diesen mit Rhonda zu teilen. Nachdem wir zu zweit dieses Gefährt von Algen und Schlingpflantzen befreit hatten, sah es sogar wieder weiß aus. 

 

National side saddle show

 

Donnerstag wurde alles zusammen gepackt, die Pferde gebadet, gezöpfelt, frisiert, rasiert, weiße Stellen nachgefärbt (gebleicht) und verladen. Am späteren Nachmittag setzte sich der Troß in Gang. Ich fuhr mit Roger in einem 27 Jahren alten Jeep, bei dem die Fensterscheiben etwas locker waren. So saß ich am Beifahrersitz und hielt eine Zeitlang diese Scheibe, bis Roger sie auf abenteuerlicheweise wieder montierte. Auf der Fahrt von mehr als 2 Stunden passierten wir einige Bodenschwellen. Roger fragte zwischendurch, ob der Wohnwagen eh noch hinten dran wäre. Abenteuer pur! Endlich angekommen war es sehr regnerisch und kalt. Rhonda und ich schauten, ob unser Wohnwagen dicht war. Er war es, im Gegensatz zu dem von Clarissa! Typisch englisches Wetter, aber trotzallem waren alle fröhlich, aufgeregt, die Pferde sauber, sogar die Schimmel glänzten weiß! Wie machen die das nur? Meine große Hoffnung erfüllte sich, als ich den Stand eines englischen Büchhändlers entdeckte! Ich konnte meine, schon relativ große Sammlung, um einige rare Exemplare erweitern! Am Turnier konnte ich die Bekanntschaft von Betty Skelton, einer 93 jährigen Dame, machen. Die Grande Dame des Damensattelreitens! Nicht nur daß sie einige Bücher über dieses Thema geschrieben hatte, zeigte sie mir auch, wie man korrekt im Damensattel sitzt. Ich verbrachte einen ganzen Vormittag bei ihr und lernte viel über Sitz, Reitstil und Korrigieren dieser Bereiche von ihr. 

 

Der Samstag war sehr aufregend. Rhonda wurde Vice-Amazone, und ich mußte starten. Der Standard in England in Bezug auf Ausrüstung ist sehr groß. Im Gegensatz zu uns wird in England alles kontrolliert, die Korrektheit der Kleider, die richte Lage des Sporen, sogar die Stiefelsohle wird kontrolliert, die schwarz sein sollte. So lernte ich die Stiefelsohlen mit schwarzen Huföl zu bestreichen, die Pferde mit Babypflegetücher auf Hochglanz zu polieren, und vieles mehr. 

Rider of the year

 

Doch der spannendste Moment war die Ausscheidung zum Rider of the year. Nicht wie in den Vorjahren, wo die besten 4 Damen ihre Pferde untereinander wechselten, fand diese letzte Runde statt, sondern es wurden 4 komplett unbekannte Pferde genommen. Die Damen hatten nicht einmal zwei Minuten Zeit sich an das Pferd zu gewöhnen und mußten dann auch in dieser kurzen Zeit das Pferd in allen Grundgangarten und Verstärkungen dieser bestmöglich präsentieren. Es war sehr interessant zu sehen, wer viel Erfahrung mit fremden Pferden hatte. Siegerin wurde Elizabeth Rogers, gefolgt von Clarissa Dawson. Gratuliere! Beide Damen waren schon in der glücklichen Lage den Titel zu erwerben und nächstes Jahr wird es sicher wieder so spannend werden. Der Sonnatg war ein gemütlicher Tag! Am Vormaittag genossen wir alle das Turnier. Es ist faszinierend, daß kleine Mädchen, meist um die sechs Jahre schon auf ihren Ponies oder Kleinpferden im Damensattel über die Hindernisse fegen. Am Nachmittag begann die Heimreise, die angesichts des besseren Wetters, gemütlicher war. Das einheitliche Credo der Leute war: "See you next year again! " - " Yes, we will! "